Das Ende der Perfektions-Lüge: Warum „Funktionieren“ dich langsam zerstört.

Vielleicht sitzt du gerade in einem perfekt eingerichteten Wohnzimmer, hast alle To-Dos für heute erledigt und bist am Ende des Tages einfach nur kaputt. Ausgebrannt. Dein Energielevel fühlt sich an, wie der Akku deines Handys, der gerade in den Stromsparmodus gegangen ist. Aber im Gegensatz zum Handy, macht dich dein Akku überhaupt nicht nervös.

Denn du bist es gewohnt, ein perfektes Leben aufrecht zu erhalten. Die Familie zu versorgen, dich um Termine zu kümmern, Hausaufgaben betreuen, deinen eigenen Job gut zu machen. Koste es was es wolle. Du kennst es nicht anders, als zu funktionieren, als zuerst an die anderen Menschen zu denken. Dich hinten anzustellen, deine Wünsche und Bedürfnisse unter die deiner Familie, deiner Freunde, deiner Kollegen:innen zu stellen. Als Frau hinterfragst du diese Konstellationen nicht, schließlich ist es genau das, was man dir dein ganzes Leben lang beigebracht hat.

Frauen dienen. Frauen sind verfügbar. Frauen halten Familien zusammen.

Du hast das Gefühl, du bist Statistin in einem Leben, für das andere Menschen die Rolle geschrieben haben. Du spürst, dass dich dieses Dauerfunktionieren langsam zerstört. Dass die Frau, die du einst warst und die voller wilder Träume war, langsam verschwindet. Dass du dich veränderst, stiller wirst und dich kaum mehr daran erinnern kannst, was du eigentlich von diesem Leben haben wolltest. Alle anderen ziehen an dir vorbei, erfüllen sich ihre Träume, Wünsche und Bedürfnisse, während du als kaputte Frau zusehen musst, wie dich ständig jemand überholt. Wie sie erfolgreich werden, wie sie lachen, wie sie mit einer Leichtigkeit durch ihre Leben flitzen, während du mit tausenden Aufgaben auf deinen Schultern, kaum mehr laufen kannst. Wie sie mühevoll durch den Tag gleiten, während dir die Luft zwischen einer perfekten Wohnung, den perfekten Kindern, dem perfekten Mann und Job, dem perfekten Urlaub und den perfekt gestutzten Buchsbäumen vorm Haus, wegbleibt. Aber ehrlich? Braucht es das alles um glücklich zu sein?

Bereit für ein wenig Realtalk?

Ich finde nicht. Und außerdem: Dieses perfekte Leben, das omnipräsent ist, gibt es nicht. Auch wenn es dir regelmäßig in den Socialen Medien reingespült wird, auch wenn es deinen Feed überflutet, auch wenn es dir deine Freundinnen vorgaukeln. Auch wenn es die Referenz für das Gefühl ist »Es geschafft zu haben« (was eigentlich?). Es ist eine Erfindung unserer Köpfe. Ein Konstrukt, eine Messlatte, weitergetragen über Generationen. Es ist ein unerreichbarer Maßstab, dem man (Frau) nachjagt, als wäre es das erstrebenswerteste Gut auf diesem Planeten. Und das kostet Kraft. Viel Kraft. Zu viel Kraft.

Und doch tun wir Frauen alles dafür. Um diese äußere Anerkennung, die wir uns im Innen nicht geben können. Für dieses Gefühl, auch dazuzugehören (wohin eigentlich?), es geschafft zu haben, gut genug zu sein (wofür?).

Die Suche nach der Perfektion (Bestätigung) im Außen ist der Tod deiner Träume im Innen. Das Gefühl, der Wunsch ein »perfektes« Leben zu führen, drängt dich in dein persönliches Hamsterrad. In dieses Konstrukt, in dem Frauen schon seit Jahrhunderten verweilen, in das sie gedrängt werden, sich unbewusst dazu entscheiden, lieber dort zu radeln, statt außerhalb auf gesellschaftlichen Konventionen zu pfeiffen und zu wachsen.

Wie kommen wir da jetzt raus?

  • Wir dürfen erkennen, dass Perfektion eine über Generationen weitergetragene Illusion ist.

  • Wir dürfen verstehen, dass perfekt langweilig ist. Es ist ein Umstand ohne Ecken und Kanten, ohne Individualität, ohne persönliche Note. Bäh.

  • Wir dürfen lernen, dass das Nachlaufen der Perfektion, zum Dauerfunktionieren führt. Dass es sich ausbrennt.

  • Wir dürfen aufzeigen, das »unperfekt« NORMAL ist. Dass Authentizität den beigen Einheitsbrei schlägt und dass Farbe wieder normal wird.

  • Wir dürfen begreifen, dass das Leben nach den eigenen Werten viel wertvoller ist, als ein vorgelebtes Schema, das gar nicht für uns passt (Nicht jede:r mag beige, möchte nach Dubai auswandern, selbst Brot backen und lebt vegan).

  • Wir dürfen verstehen, dass perfekt nur das ist, was andere dir als Illusion in deinen Kopf pflanzen.

  • Und wir dürfen lernen, dass es auch ein wundervolles, buntes lebenswertes Leben außerhalb der Perfektions-Lüge gibt.

PS: Das hier ist für dich:

Wenn du wieder in die Perfektionsfalle tappst, rufe dir diese zwei Sätze in Erinnerung:

Es ist gut so wie es ist. Ich bin gut, so wie ich bin.

Bis bald - Heidi

PPS: Wie siehst du das? In welche Perfektionsfalle bist du gelaufen, ohne dass es dir bisher bewusst war?

Zurück
Zurück

Wenn du nur ein Leben hast, dann ist eines genug.